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Chur lebt!

Nix verschlafenes Kleinstädtchen: In Chur geht die Post ab! Bald findet wieder das Strassenkunstfestival Buskers statt, kurz darauf kommen die weltbesten Street-Art-Künstlerinnen und Künstler nach Chur. Den ganzen Sommer lang findet beim Polentahügel jedes Wochenende ein Festival statt. Und innovative Gastronominnen und Gastronomen bieten in der Innenstadt guten Kaffee und feine Drinks an. Chur lebt! Nicht, dass Chur jemals tot gewesen wäre. Aber in den letzten Jahren haben zahlreiche innovative und kreative Köpfe Chur noch lebendiger gemacht. All deren gute Ideen sind ohne Zutun der Churer Politik entstanden. Und ist das auch gut so. Die Rolle der Politik ist es ja nicht, alles selber zu erfinden – vielmehr soll sie innovative Ideen ermöglichen und Hürden aus dem Weg räumen.


Und genau hier braucht Chur eine Veränderung: Weg vom Bürokratie-Wahn, hin zu einer Kultur der Zusammenarbeit und Ermöglichung. Stellen Sie sich vor: ein Beizer möchte vor seinem Lokal drei zusätzliche Tische in die Fussgängerzone stellen. Das Gesuch wird abgelehnt. Der Beizer verlangt eine anfechtbare Verfügung, damit er gegen den Entscheid Einsprache erheben kann. Vergeblich. Seit Monaten wartet er auf eine Begründung. Das Gleiche gilt für mehrere Versuche, spannende Orte in Chur temporär mit Konzerten und Barbetrieb zu bespielen: Abgelehnt. Begründung? «Wir haben kein entsprechendes Formular, um diese Nutzung zu bewilligen». Ein anderes Beispiel: Ein Kleinunternehmer möchte im Sommer in der Altstadt auf einem Wagen Glace verkaufen. So, wie wir es aus vielen anderen Städten kennen und schätzen. Die Antwort der Stadt: Nein, so etwas gibt es bei uns nicht. Oder ein Quartierverein, der im leerstehenden Kassenhäuschen auf der Quaderwiese eine Sommerbar eröffnen möchte. Die Antwort der Stadt: Das sei nicht mit der Nutzung durch die Stadtschule zu vereinbaren. Bissoguat, liebe Stadt: Die Quaderwiese ist doch wohl gross genug, dass man gleichzeitig eine Turnstunde abhalten und einen Kafi trinken kann?


Es gäbe noch unzählige weitere Beispiele. Dabei ist es genau die Summe aller dieser kleinen Initiativen, Ideen und Anlässe, die eine Stadt zum Leben erwecken. Die aktuelle Strategie hingegen ist eine andere: Teure Grossprojekte wie eine Messe- und Eventhalle, ein eidgenössisches Schützenfest oder ein Big Air lassen sich offenbar besser in Szene setzen. Aber alle Bedürfnisse der Bevölkerung sind damit wohl nicht abgedeckt. Dabei wünschen wir Churerinnen und Churer uns wahrscheinlich alle das Gleiche: Unsere Stadt soll schön, lebendig und attraktiv sein. Und wenn die Stadt uns Einheimischen gefällt, dann wird sie auch für Zugezogene attraktiver. Und darauf sind wir angewiesen. Ohne junge Familien und dringend benötigte Fachkräfte wird es unsere Stadt in Zukunft schwer haben. Mit dem neuen Campus der FHGR haben wir beste Voraussetzungen, um innovative Köpfe nach Chur zu holen. Behalten wir sie hier, anstatt sie mit teuren Mieten und Bürokratie abzuschrecken.


Aber klar: Auch die innovativen Köpfe dieser Stadt können Chur nicht im Alleingang gestalten. Nebst etwas mehr «machen lassen» braucht es auch eine bewusste Weiterentwicklung unserer städtischen Infrastruktur. Und genau hier braucht es die Politik. Wir brauchen eine kinder-, jugend- und seniorenfreundliche Stadt mit attraktiven Freiräumen und bezahlbarem Wohnraum. Das schaffen wir nur, wenn wir unsere Stadt aktiv gestalten und nicht nur verwalten. Dafür braucht die Stadt Chur moderne Führungsstrukturen mit dem nötigen Vertrauen in ihre gut ausgebildeten Fachleute. Dafür braucht die Stadt eine Investitionspolitik, die nicht nur nach der Logik von Grossevents und Grossinvestoren funktioniert. Und dafür muss die Stadt Chur Sorge tragen zu ihrem eigentlichen Kapital: Ihren Menschen, ihren Vereinen, ihrem Gewerbe. Denn nur gemeinsam schaffen wir es, das grosse Potenzial unserer Stadt voll auszuschöpfen.

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